Gesundheitsversorgung

Rahmenbedingungen

Das Gesundheitssystem in Kenia steht vor enormen Herausforderungen. Die gesundheitsbezogenen Millenniumsentwicklungsziele zur Kinder- und Müttergesundheit stagnieren bzw. haben Rückschritte zu verzeichnen. Die Müttersterblichkeit liegt bei 488/100.000 Lebendgeburten (Deutschland: 7/100.000). Für die Mehrheit der armen Bevölkerung (47% leben unter der Armutsgrenze mit weniger als 1,25 $ pro Tag) bleiben Gesundheitsdienstleistungen unbezahlbar. Gesundheitseinrichtungen sind nur unzureichend ausgestattet und medizinische Verbrauchsgüter nicht flächendeckend verfügbar, was die Qualität der Gesundheitsdienstleistungen maßgeblich beeinflusst.

Trotz der kostenfreien Basisgesundheitsdienste stellen Krankheitskosten, v.a. Krankenhausbehandlungen, für die Armen und somit Großteil der kenianischen Bevölkerung ein Risiko des finanziellen Ruins dar. Nur etwa 20% der Bevölkerung sind für den Krankheitsfall abgesichert. Es besteht daher ein dringender Bedarf, ein solides und finanziell nachhaltiges soziales Gesundheitsversicherungssystem zu schaffen, welches auch die Armen und den informellen Sektor abdeckt.

Ziel und Ausrichtung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Im Schwerpunkt Gesundheit konzentriert sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf den Bereich der Gesundheitssystemfinanzierung. Ziel ist es, armen und benachteiligten Bevölkerungsgruppen einen verbesserten Zugang zu qualitativ hochwertigen Basisgesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen, indem die finanziellen Risiken im Krankheitsfall abgedeckt werden. Um dies zu erreichen fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Einführung und Etablierung tragfähiger Ansätze der Gesundheitsfinanzierung. Gleichzeitig wird die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auch die Reformen in den Bereichen Regulierung und Akkreditierung von Gesundheitsdienstleistern sowie Qualitätsmanagement unterstützen.

Beispiele: Was wurde bisher erreicht?

Im Rahmen eines Gutscheinvorhabens in den Bereichen Geburtshilfe, Familienplanung und die Behandlung von Opfern sexueller Gewalt adressiert wurden etwa 300.000 arme Frauen erreicht. 250.000 Geburten wurden durch medizinisches Personal in akkreditierten Gesundheitszentren und Krankenhäusern begleitet. Mehr als 260.000 Frauen wurden in diesen Einrichtungen mit Kontrazeptiva versorgt. Die Ansätze des Gutscheinsystems (z.B. Abrechnung nach mezinischen Leistungen, Akkreditierungsverfahrungen) und die Erfahrungen aus dem Qualitätsmanagement werden für den Ausbau des Versicherungssystems genutzt.

Durch die Familienplanungsvorhaben und die Unterstützung einer Krankenhausgruppe kleiner privater Kliniken (klinisches Franchising) für reproduktive Gesundheitsdienste wurden insgesamt über 600.000 Frauen in Bezug auf Familienplanung beraten und erhielten Zugang zu modernen Verhütungsmethoden.

Politikberatung, Kapazitätsentwicklung und Durchführungsunterstützung trugen zu wichtigen Entwicklungen im Gesundheitssektor bei; darunter:

  • Einführung gesundheitsökonomisch begleiteter Ansätze zur Befreiung von Nutzergebühren und Etablierung einer Fachstelle für Kostenanalysen im Gesundheitswesen an der University of Nairobi

  • Landesweite Einführung des Kenya Quality Model for Health (KQMH) zum Qualitätsmanagement in Krankenhäusern und Gesundheitsstationen

  • Entwicklung und weite Anwendung eines wirkungsvollen Kursprogramms für Gesundheitspersonal zum arbeitsplatznahen Lernen im Team; jetzt Teil eines Curriculums bei der Kenyan School of Government

  • Schaffung von Plattformen für die Einbeziehung nicht-staatlicher Akteure - Nichtregierungsorganisationen, glaubensbasierte Institutionen der Gesundheitsversorgung und privater Dienstleister - in die Entwicklung des Gesundheitssystems

Einführung eines Standardprotokolls für das medizinische und forensische Vorgehen in Fällen geschlechtsspezifischer Gewalt; Aufbau von Knotenpunkten für ein Netzwerk zur Versorgung und Beratung betroffener Frauen und Jugendlicher Als Reaktion auf die schwere Dürre, die 2011 weite Teile des Landes heimsuchte, konnten Nothilfemassnahmen, zusammen mit internationalen und lokalen Akteuren in den betroffenen Gebieten bereitgestellt werden.

Im Rahmen der Poliobekämpfung und in Reaktion auf den jüngsten Ausbruch im Mai 2013 an der somalisch-kenianischen Grenze wurden 2013 zusätzliche Mittel in Höhe von € 5 Millionen bereitgestellt. Im Rahmen der kenianischen Impfkampagne, die insgesamt 8,4 Millionen Kinder unter fünf Jahren erreichen soll, wurde die Bereitstellung der Impfungen sowie die Mobilisierung der Betroffenen finanziell unterstützt.