Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

Rahmenbedingungen

Der Agrarsektor prägt Wirtschaft und Lebensumstände der Menschen in Kenia – 29% des BIP können dem Agrarsektor direkt zugeordnet werden; informell sind es weit mehr. 70% der Bevölkerung in den ländlichen Gebieten leben von der Landwirtschaft, die zu 98% von den Niederschlägen abhängig ist, was zu einer extremen Abhängigkeit von klimatischen Schocks führt. Die Produktivität ist niedrig und wird vor allem von den Niederschlägen oder vom Zugang zu Wasser bestimmt. Über 80 % der Landfläche ist arid oder semi-arid und für niederschlagsabhängige Landwirtschaft ungeeignet. Hohes Bevölkerungswachstum führt zu Verkleinerung der landwirtschaftlichen Betriebsflächen und zur landwirtschaftlichen Nutzung von fragilen Ökosystemen wie Wassereinzugsgebieten und Steilhängen, was die Bodenerosion beschleunigt. Degradierung der Wassereinzugsgebiete und unangepasste landwirtschaftliche Bewirtschaftung erhöhen den Druck auf die verfügbaren Wasserressourcen. Aufgrund der geringen Leistungsfähigkeit des Agrarsektors, besteht ein strukturelles Nahrungsmitteldefizit.

Die kurzfristig größte Herausforderung für den Agrarsektor besteht in der Umsetzung der von der Verfassung vorgegebenen Dezentralisierung, welche rund 90% der Aufgaben und Verantwortung auf die Bezirksebene verlagert. Es ist zu befürchten, dass die Bezirke zunächst nur die laufenden Kosten decken können, da die zugewiesenen Mittel keine Investitionen ermöglichen. So wird die Nationalregierung ihre prioritären politischen Zielsetzung, wie z.B. eine umfangreiche Ausweitung der Bewässerungslandwirtschaft, nur in Kooperation mit der dezentralen Ebene verwirklichen können. Nicht förderlich für die Umsetzung dieser umfangreichen Sektorreformagenda ist die Tatsache, dass der Agrarsektor Kenias gemessen an der Selbstverpflichtung von Maputo (10% Haushalts) deutlich unterfinanziert ist.

Ziel und Ausrichtung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Das deutsche Engagement im Landwirtschaftssektor konzentriert sich zukünftig ausgeglichen auf eine Verbesserung der Ernährungssicherung durch eine nachhaltige Produktivitätssteigerung im Westen des Landes und Stärkung der Dürreresilienz im ariden Norden. Erstere wird z.B. durch Bewässerungsvorhaben mit integrierter Vermarktungsinfrastruktur (Märkte, Lagerung, ländlicher Strassenbau) sowie wasser- und bodenkonservierender Maßnahmen oder auch Kapazitätsentwicklung landwirtschaftlicher Ausbildungssysteme/Beratungsdienste und eine verbesserte Marktintegration kleinbäuerlicher Betriebe durch Zusammenarbeit mit dem Privatsektor gefördert. Im ariden Norden sollen ebenso Bewässerungsinfrastruktur, Maßnah-men zur Boden- und Wasserkonservierung, Wasserversorgung von Mensch und Tier sowie Maßnahmen zur Weiderehabilitierung und Verbesserung der Tiergesundheit gefördert werden. Darüber hinaus werden die Behörden in der Nutzung nachhaltiger Landbewirtschaftungsmethoden (Reduktion von Bodenerosion, verbesserte Wassernutzung und Erhöhung der Wasserinfiltration) zur Verstetigung der Wasserflüsse und der Erhöhung der Dürreresilienz beraten.

Flankiert wird das Engagement durch die Begleitung des Dezentralisierungsprozesses durch Beratung der nationalen wie auch dezentralen Ebene. So werden die fünf Bezirke in West- und Nordkenia, in denen die deutsche EZ arbeiten wird, bei der Entwicklungsplanung des Agrarsektors und der Priorisierung von Maßnahmen zur nachhaltigen Intensivierung der Landwirtschaft unterstützt.

Beispiele: Was wurde bisher erreicht?

Das bisherige Programm der deutschen EZ hat wesentliche Erfolge bei der Privatsektorförderung in der Landwirtschaft erzielt, die sich wie folgt zusammenfassen lassen.

Der Fokus auf unternehmerischem Handelnund unternehmerischem Interesse hat deutliche Wirkungen bei Einkommen und Beschäftigung erzielt (Bsp. Eigenanteil der Bauern zur Finanzierung der Kleinbewässerung, Bildung von Kooperativen verschiedener Wertschöpfungsketten). Die Anwendung des Wertschöpfungskettenansatzeshat zu erfolgreichen Modellen in der Förderung ausgewählter Wertschöpfungsketten geführt (Bsp. Kartoffel). Hierzu erforderliche Konzepte, Instrumente und Methoden konnten systematisch in der kenianischen Landwirtschaft, der Viehhaltung, in der Fischerei und in der Haushaltsenergieversorgung verankert werden. Akzeptanz und Integration des Ansatzes sind in Kenia mittlerweile institutionell breit verankert. Auch auf Politikebene ist die Wertschöpfungs-kettenförderung zu einem zentralen Bestandteil der Politikgestaltung geworden.

Insbesondere Modelle der kleinbäuerlichen Bewässerungsentwicklung mit finanzieller Eigen-beteiligung der Nutznießer, wie durch die deutsche EZ in der Mount Kenya unterstützt, gelten als vorbildliche Modelle, an denen sich die weitere Umsetzung der Bewässerungs-politik in Kenia orientieren will. Förderung von Vermarktungsinfrastrukturzur Verbesserung des Agrarhandels durch Finanzierung von Straßen in der Mount Kenya Region hat positive Auswirkungen auf die Marktanbindung von Kleinbauern und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung der Region zur Folge gehabt.

Landwirtschaft

KfW irrigation scheme

Datenblatt: EZ mit Kenia im Sektor "Landwirtschaft und ländliche Entwicklung"