Wirtschaft in Kenia

  Kenia ist ein typisches Entwicklungsland im subsaharischen Afrika, nimmt aber dennoch eine herausragende Stellung innerhalb der ostafrikanischen Region ein.

  Kenia ist die leistungsfähigste Volkswirtschaft in der East African Community (EAC) mit einem BIP von rund 36,1 Mrd. USD.

  Seine Vorzüge sind seine exponierte Lage in der Region und eine liberale Wirtschaftsordnung mit gut entwickeltem Privatsektor. Das Wirtschaftswachstum betrug 2011 4,4 % (2010: 4,8 %). 60 % der Bevölkerung leben allerdings unterhalb der Armutsgrenze (ca.40 % unter 2 USD pro Tag). 60 % der Bevölkerung der Hauptstadt Nairobi leben in Slums. Ca. 20 % des Staatshaushaltes wird für den Schuldendienst ausgegeben, die Auslandsverschuldung war Anfang 2012 bei knapp 9 Mrd. USD. Mit Verabschiedung des neuen Haushaltsplans 2012/2013 wird die Staatsverschuldung bei 47% des BIP liegen.

Rodes Rosen Bild vergrößern Gerhard Braun (Mitte), Leiter des Wirtschaftsreferats der Botschaft Nairobi, besucht Kordes Rosen am Tag der Offenen Tür. Kordes Rosen ist einer der bekanntesten Rosenzüchter der Welt. In Karen, Nähe Nairobi, werden die Rosen in einem Gewächshaus gezüchtet. (© Deutsche Botschaft Nairobi)

  Kenias Wirtschaft verfügt über einen modernen formellen Sektor (Teile der Landwirtschaft, Tourismus, Dienstleistung) mit den Exportzweigen Schnittblumen, Tee und Kaffee und einem wachsenden informellen Sektor (ca. 40 % der Beschäftigten).

  Nach dem schweren Einbruch der Tourismusbranche in Folge der Wahlunruhen 2008 erholte sich der Tourismus zunehmend und verzeichnete 2011 so viele Besucher wie noch nie zuvor (nahezu 1,3 Mio). Aufgrund der Eurokrise und einer möglicherweise angespannten Stimmung im Vorfeld der anstehenden Wahlen, wird für 2012 mit stagnierenden Besucherzahlen gerechnet.

  Die Landwirtschaft bleibt strukturell entscheidend. 70-80 % der arbeitenden Bevölkerung sind direkt oder indirekt von ihr abhängig. Die Ernten sind auf Regen angewiesen; es gibt kaum künstliche Bewässerung, weshalb Kenia noch immer nicht verlässlich die Nahrungssicherheit seiner Bevölkerung garantieren kann. Für 2012 wird jedoch eine ertragreiche Ernte erwartet.

  Beim deutschen Im- und Export nimmt Kenia bei der Einfuhr nur Rang 99, bei der Ausfuhr Rang 95 ein. Im europäischen Vergleich ist Deutschland jedoch noch ein relativ starker Handelspartner.

  Weitere Probleme sind die ständigen Korruptionsskandale und die laufenden politischen Auseinandersetzungen in der Koalitionsregierung entlang ethnischer Grenzlinien. Diese Problematik wird verstärkt durch die voraussichtlich im März 2013 anstehenden Wahlen, die ab 2013 anstehenden Verfahren beim Internationalen Gerichtshof gegen die sogenannten "Ocampo 4" (hier handelt es sich um vier hochrangige Kenianer, die nach Meinung des Chefanklägers Ocampo die meiste Schuld an den Nachwahlausschreitungen 2007/2008 tragen sollen) und die Umsetzung der im August 2010 in Kraft getretenen Verfassung.

  Am 1. Juli 2010 ist der gemeinsame Binnenmarkt der Ostafrikanischen Gemeinschaft (Kenia, Tansania, Uganda, Burundi und Ruanda) in Kraft getreten. Die Umsetzung dieses gemeinsamen Marktes erfolgt zögerlich, Probleme gibt es vor allem noch bei nichttariffären Beschränkungen. Dennoch profitiert Kenia bereits jetzt von der zunehmenden Integration, was sich durch gestiegene Exportumsätze auf dem ostafrikanischen Markt bemerkbar macht.

  Grundsätzlich hat Kenia enormes Potential: es weist mit dem Hafen in Mombasa und der ausgebauten Straßenverbindung Mombasa-Nairobi-Kampala die beste Infrastruktur in der EAC auf. Um den Norden Kenias besser zu erschließen, plant Kenia den Bau eines Hafens in Lamu mit Infrastruktur (Eisenbahn, Straßen, Ölpipelines nach Äthiopien, Süd-Sudan und Uganda). So ist Kenia auch ein wichtiges Transitland für Handel in der Region Ostafrika. Darüber hinaus wächst die landwirtschaftliche Produktion. Die Anziehungskraft, die von den einzigartigen Naturlandschaft ausgeht, lockt mehr und mehr Touristen ins Land.

  Die wirtschaftlichen Entwicklungen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass sich Kenia auf gutem Weg befindet und dies trotz eines politisch schwierigen Umfelds.


Unterzeichnung Wirtschaftsabkommen Bild vergrößern (© Deutsche Botschaft Nairobi)

  Die Weiterentwicklung und insbesondere die Verbesserung der bereits guten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Kenia und Deutschland wurden mit dem Besuch der Bundeskanzlerin Dr. Merkel im Juli 2011 ausgebaut und fand seinen Höhepunkt mit der Zeichnung des Abkommens für die Einrichtung einer Delegation der deutschen Wirtschaft in Nairobi. Die  Delegation der deutschen Wirtschaft begann ihre Arbeit im März 2012.

  Um die bereits guten Wirtschaftsbeziehungen mit Kenia weiter zu stärken, organisiert die Delegation der deutschen Wirtschaft zusammen mit dem Afrika Verein, der GTAI, der Deutschen Business Association, KenInvest und der Botschaft das 1. deutsch-kenianische Wirtschaftsforum am 27. September in Nairobi.

Organisationen und staatliche Institutionen vor Ort

Wirtschaft in Kenia

Gerd Braun bei der Kijabe Kinderspielplatzeröffnung

Kenias Blumenindustrie

Allein im vergangenen Jahr exportierte das afrikanische Land Schnittblumen im Wert von 300 Mio EUR. Davon gingen Blumen im Wert von 21 Mio EUR nach Deutschland.