Interview mit Berthold Schöllhorn, deutscher Inhaftierter im kenianischen Kamiti Gefängnis
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Berthold Schöllhorn
(© Johannes Döveling/Lou Angelina Lauer)
Berthold Schoellhorn wurde wegen Drogenbesitzes zu lebenslanger Haft verurteilt und ist seit drei Jahren inhaftiert. Die Zeit im kenianischen Kamiti Gefängnis nutzt er, um Bilder zu malen.
Interview Johannes Doeveling und Lou Angelina Lauer
Herr Schöllhorn, wie geht es Ihnen?
Ich bin immer positiv gestimmt. Trotzdem schmerzt die Situation. Manchmal kommen mir die Tränen und ich fühle mich allein. Aber mein Motto ist: „Und immer wieder geht die Sonne auf.“ Das finden Sie auch auf meinen Bildern. Es ist im Gefängnis ganz wichtig, immer geradlinig zu sein. Man darf keine Erniedrigungen hinnehmen. Das erfordert Durchsetzungsvermögen. Seit ich im Gefängnis bin, sehe das Leben nüchterner, gezielter und präziser. Und ich vertraue Freunden weniger.
Warum sind Sie inhaftiert?
Man hat mich mit einem Koffer mit Drogen geschnappt.
Wer unterstützt Sie in der Haft?
Der deutsche Staat und mein Onkel. Und natürlich Herr Yuma, der Gefängnisdirektor. Wir haben ein gutes Verhältnis. Dafür bedanke ich mich.
Was ist ihr größter Wunsch?
Rauskommen! Und dass der VfB Stuttgart deutscher Fußballmeister wird. Und ein Tusker baridi.
Was hätten Sie in Ihrem Leben anders gemacht, wenn es möglich gewesen wäre?
Ich würde gegen meine Eltern rebellieren. Zwar war unser Verhältnis gut. Doch sie haben mich zu einer Banklehre gezwungen. Ich hätte besser Innenarchitekt oder Künstler werden sollen.
Kann man im Gefängnis etwas für das Leben lernen?
Meine Beziehung zum Glauben hat sich gestärkt. Glaube versetzt Berge, das macht mich stark. Obwohl zwei meiner Brüder katholische Priester sind, bin ich kein Kirchgänger. Aber ich glaube an Gott und an Christus.
Wie fühlen Sie sich von den kenianischen Behörden behandelt?
Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihnen. Ganz besonders zu Herrn Yuma. Ich werde von allen hier akzeptiert. Auch mit den Gefängniswärtern verstehe ich mich gut. Sie nennen mich hier Amosch. So nennen Luo ein Baby, das zwischen vier und sieben Uhr morgens auf die Welt gekommen ist. Mich nennen sie so, weil ich in Mombasa immer schon um diese Zeit am Strand unterwegs war.
Mich stört aber, dass hier so viel verboten ist, sogar Zucker. Ich verstehe, dass Herr Yuma das tun muss, weil man daraus Alkohol gären kann. Ohne Verbot gäbe es hier Chaos. Was ich aber nicht verstehe, dass sogar Zigaretten verboten sind.
Was war bisher das einprägsamste Erlebnis im Gefängnis?
Wenn ich sehe, wie meine Mitgefangenen ums Überleben kämpfen müssen.
Sie zeichnen und malen sehr gerne. Erzählen Sie uns mehr dazu.
Das Leben hier ist sehr stressig, es gibt immer wieder gefährliche Situationen. Ich brauche das Malen zum Entspannen. Ich würde so gerne mit jungen Künstlern in Afrika zusammenarbeiten, wenn ich wieder draußen bin. Sie sind so talentiert.
Was malen Sie? Warum malen Sie?
Seit meiner Kindheit habe ich dieses Hobby. Ich male Tiere, aber auch Modernes – so in Richtung Warhol und Fuchs, die ich sehr gerne mag. Mein größtes Problem ist, dass ich im Gefängnis nicht alle Werkzeuge habe, um wirklich perfekt zu arbeiten.
Mit wie vielen Menschen teilen Sie eine Zelle? Wie ist das Essen? Wie lange sind Sie täglich in der Zelle?
Wir sind nur zu zweit. Das ist hier die absolute Ausnahme. Wir kommen morgens um 6 Uhr raus und abends wird um 20:30 Uhr zugesperrt. Das Essen ist afrikanisch: Ugali, Reis, Kartoffeln. Aber als Ausländer kann ich hinzukaufen, zum Beispiel Tomaten und Karotten. Da ist Herr Yuma sehr entgegenkommend.
Welche Hoffnungen haben Sie für das Berufungsverfahren?
Keine guten Hoffnungen. Man weiß nie, was bei Gerichtsverfahren herauskommt.